Cologne Culture Run

Köln klingt! Ein musikalischer Parcours durch die Stadt

Unsere musikalische Tour beginnt am Kurt-Hackenberg-Platz. Von der Philharmonie aus führt sie mitten durch die Stadt und damit durch ganz unterschiedliche Kapitel Kölner Musik- und Kulturgeschichte.

Was haben Keith Jarrett, Techno, Trude Herr, Nirvana und ein Geißbock gemeinsam? Sie alle gehören zur Musik- und Kulturgeschichte Kölns. 

Wer sich durch die Stadt bewegt, entdeckt an vielen Orten Geschichten, die zeigen, wie vielfältig Köln klingt: Manchmal weltberühmt, manchmal wunderbar absurd und oft überraschend nah an der Kölner Philharmonie.

Start & Ziel: Kölner Philharmonie, Kurt-Hackenberg-Platz
Länge: ca. 10 km
Dauer: ca. 1 bis 1,5 Stunden, je nach Lauftempo
Route: Innenstadt, Belgisches Viertel, Innerer Grüngürtel, Kwartier Latäng, Südstadt, Rheinufer
Unterwegs: Musikgeschichte, Theater, Clubs, Architektur und jede Menge Kölner Geschichten

Tipp: Die Tour lässt sich auch gut als Spaziergang entdecken – am besten mit etwas Zeit zum Schauen, Hören und für den ein oder anderen spontanen Abstecher.

Vom Funkhaus zum »Köln Concert«

Erste Station ist das WDR-Funkhaus am Wallrafplatz. Der WDR prägt die Musiklandschaft Kölns seit Jahrzehnten, nicht zuletzt mit seinem Funkhaus und dem Studio für Elektronische Musik, einem wichtigen Ort für musikalische Experimente.

Nur wenige Minuten entfernt liegt der Offenbachplatz mit der Kölner Oper, 1957 nach Plänen von Wilhelm Riphahn eröffnet. Der Bau war damals ein architektonisches Statement und gewann Architekturpreise.

Weltberühmt wurde der Ort allerdings auch durch ein Konzert: Keith Jarretts legendäres »The Köln Concert«. Die Entstehungsgeschichte der Aufnahme ist ebenso außergewöhnlich wie ihr Erfolg. Bis heute gehört sie zu den meistverkauften Jazz- und Solo-Klavieraufnahmen überhaupt.

Der »Sound of Cologne«

Weiter geht es ins Belgische Viertel. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren war es ein Zentrum der Kölner Platten- und Clubszene. Vier Plattenläden standen exemplarisch für ganz unterschiedliche musikalische Welten: Kompakt für Techno, Normal für Indie, Groove Attack für Hip-Hop und Jazz und A-Musik für elektronische und experimentelle Musik.

Vor allem der von Kompakt geprägte Minimal Techno machte Köln international zu einer Marke. Der »Sound of Cologne« war geboren.

Dass diese Geschichte bis heute in die Philharmonie reicht, zeigt sich unter anderem an der Reihe ROUND für elektronische und experimentelle Musik. Clubkultur und Konzertsaal liegen in Köln manchmal näher beieinander, als man denkt.

Zwischen Millowitsch und Gegenwartstheater

Am Aachener Weiher wartet ein anderes Kapitel Kölner Kulturgeschichte: das ehemalige Millowitsch Theater. Seit 1936 war die Familie Millowitsch hier zu Hause. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Willy Millowitsch mit seinen volkstümlichen Stücken zu einer prägenden Figur des Kölner Kulturlebens.

Gleich nebenan steht das Theater im Bauturm: ein ganz anderer, aber eng verwandter Teil der Kölner Theatergeschichte. Während Millowitsch für kölsche Unterhaltung stand, entwickelte sich der Bauturm zu einem Ort für zeitgenössisches Theater. Beide Häuser verbindet nicht nur die Nachbarschaft: Eine Millowitsch-Tochter gehörte zu den frühen Mitbetreiberinnen des Bauturms.

Köln kann eben beides: Volkstheater und Avantgarde.

Ein Geißbock schreibt Geschichte

Wo heute eine grüne Parklandschaft zum Verweilen einlädt, stand einst der Williamsbau des Circus Williams. Zwischen 1947 und 1955 war der Saal mit seinen 2.500 Plätzen der größte Veranstaltungssaal der Nachkriegszeit. Hier gastierte unter anderem Louis Armstrong.

Und hier nahm auch eine berühmte Geschichte des 1. FC Köln ihren Anfang: Die Zirkusdirektorin Carola Williams schenkte dem Verein zum Karneval einen Geißbock. Das Tier pinkelte bei seinem Auftritt ausgerechnet den Spieler Hennes Weisweiler an. Der Name war gefunden: Hennes. Der Rest ist Kölner Fußballgeschichte.

Von Ostasien bis ins Kwartier Latäng

Am Museum für Ostasiatische Kunst wird die Stadt wieder etwas leiser. Der Bau des Architekten Kunio Maekawa verbindet moderne Architektur mit japanischen und ostasiatischen Einflüssen. Besonders der Innenhof und Garten machen das Museum zu einem besonderen Ort.

Von hier geht es durch den Inneren Grüngürtel ins Kwartier Latäng und damit in eine ganz andere Welt der Kölner Kulturgeschichte. Das Theater in der Filmdose steht seit seiner Gründung 1984 für schrillen Klamauk und seine Nähe zur LGBTQAI+-Szene. Namen wie Hella von Sinnen, Dirk Bach und Ralph Morgenstern sind eng mit seiner Geschichte verbunden.

Wo Nirvana auf Frank Zappa trifft

Ein paar Straßen weiter liegt das sogenannte Bermuda-Dreieck der Kölner Konzertszene. Blue Shell, Luxor, Stereo Wonderland und Veedel Club sind kleine Bühnen für Indie, Rock und neue Talente.

Nirvana spielte hier im damaligen Rose Club, lange bevor die Band weltberühmt wurde.

Und dann wäre da noch Frank Zappa: Nach einem Kölner Konzert wollte er noch ins Blue Shell, wurde aber abgewiesen. Zu verlottert für einen Club, in dem sich ansonsten auch Punks zu Hause fühlten. Eine Geschichte, die ziemlich gut zu Köln passt.

Theater, Tanz und ein Park auf alten Festungsanlagen

Im Volksgarten liegt die Orangerie, eines der freien Theaterhäuser der Südstadt. Theater, Tanz, Performance und Multimedia treffen hier aufeinander.

Auch der Ort selbst erzählt Stadtgeschichte: Der Volksgarten entstand auf ehemaligen preußischen Befestigungsanlagen. Gartenarchitekt Adolf Kowallek schuf ihn als Erholungsort für eine Stadt, die durch Industrialisierung und Urbanisierung immer stärker wuchs.

Kultur findet in Köln eben nicht nur auf Bühnen statt.

»Arsch Huh« und die Kraft der Musik

Am Chlodwigplatz wird es politisch. Die Südstadt ist eng mit Wolfgang Niedecken und den Bläck Fööss verbunden und damit mit zwei wichtigen Kapiteln der Kölner Musikgeschichte.

1992 wurde der Chlodwigplatz zum Schauplatz eines der bedeutendsten Konzerte der jüngeren Stadtgeschichte: Rund 100.000 Menschen kamen zu »Arsch Huh«, um nach rassistischen Ausschreitungen ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Musik war hier nicht bloß Unterhaltung. Sie wurde zur gemeinsamen Stimme einer Stadtgesellschaft.

Trude Herr wollte keine Schokolade

Ein Stück weiter steht das Denkmal von Trude Herr. Schauspielerin, Sängerin und Kölner Original. Sie gehörte zu den Persönlichkeiten, die den kulturellen Kosmos der Stadt geprägt haben. 

Das Denkmal steht auf dem ehemaligen Gelände der Stollwerck-Schokoladenfabrik und zeigt Trude Herr in drei typischen Posen. Ihr ehemaliges Theater im Vringsveedel ist heute das Odeon Kino. Eine Plakette erinnert dort an die große Kölnerin: »Niemals geht man so ganz …«

124 Figuren und ein musikalischer Rathausturm

Zum Abschluss führt die Tour durch den Rheinauhafen zurück ins Zentrum zum Rathausturm am Alter Markt. Seine Figuren erzählen die Geschichte der Stadt und erinnern auch an Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur: Ferdinand Franz Wallraf, Jacques Offenbach, Willi Ostermann, Josef Haubrich und Heinrich Böll gehören dazu.

Und der Turm selbst kann Musik. Sein Glockenspiel erklingt mehrmals am Tag. Um 12 Uhr ist Karlheinz Stockhausens »Tierkreis« zu hören, später folgen Kölner Klassiker und Kompositionen von Jacques Offenbach.

Eine Stadt als Klangraum

Zurück an der Philharmonie schließt sich der Kreis.

Vielleicht ist das Überraschende an einer musikalischen Reise durch Köln, dass man die Musikstadt nicht erst im Konzertsaal oder Opernhaus suchen muss. Sie steckt in Clubs, in Theatern und Parks, auf Plätzen und in kleinen Geschichten. In Keith Jarrett ebenso wie in Hennes, in Stockhausen ebenso wie in Trude Herr.

Köln klingt. Loslaufen und hinhören!