Rising Stars: Amelio Trio

Artists
- Amelio Trioensemble
- Johanna Schubertviolin
- Merle Geißlercello
- Philipp Kirchnerpiano
Programm
Charles Ives 1874–1954
II. Presto (»TSIAJ« or Medley on the Fence or on the Campus!)
aus: Trio für Violine, Violoncello und Klavier (um 1909–10, rev. um 1914–15)
Ludwig van Beethoven 1770–1827
Trio für Klavier, Violine und Violoncello in einem Satz B-Dur WoO 39 (1812)
Allegretto
Birke Bertelsmeier *1981
vertrautes angezogensein (2024)
für Violine, Violoncello und Klavier
Joseph Haydn 1732–1809
Trio für Violine, Violoncello und Klavier F-Dur Hob. XV:6 (1784)
I. Vivace
II. Tempo di Menuetto
Helena Winkelman *1974
...ISOLE... (2026)
für Klaviertrio
Uraufführung
Kompositionsauftrag von Kölner Philharmonie (KölnMusik), Elbphilharmonie Hamburg, Barbican Centre, Philharmonie Luxembourg und European Concert Hall Organisation (ECHO)
Robert Schumann 1810–1856
Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 3 g-Moll op. 110 (1851)
I. Bewegt, doch nicht zu rasch
II. Ziemlich langsam
III. Rasch
IV. Kräftig, mit Humor
»Rising Stars« ist ein Projekt der European Concert Hall Organisation (ECHO). Das Amelio Trio wurde nominiert von Kölner Philharmonie (KölnMusik), Elbphilharmonie Hamburg, Barbican Centre und Philharmonie Luxembourg.
Zum Programm
Erfolgsgeschichte Klaviertrio
Josep Haydn gilt mit seinen über 40 Klaviertrios als einer der Urväter der Gattung. Während die frühen Trios mit ihrem galanten Ton noch deutlich zur häuslichen Unterhaltungsmusik gehören, sind die letzten höchst anspruchsvolle Konzertmusik für ein interessiertes Publikum. Die mittleren Werke (Hob. XV: 5–17), zu denen auch das Klaviertrio F-Dur Hob. XV:6 gehört, stehen dabei für den Übergang: Zum einen pflegt Haydn darin noch die Tradition der begleiteten Klaviersonaten, in der den Streichinstrumenten eher Nebenrollen zukommen, gleichzeitig aber steigen die Ansprüche und der Tonfall wird ernster.
Einen gewaltigen Schritt weiter geht danach Haydns Schüler Ludwig van Beethoven, der u.a. für die Gleichberechtigung der Streicher mit dem Klavier sorgte. Der Triosatz in B-Dur, die letzte Triokomposition des Wiener Klassiker, ist allerdings eher ein Gelegenheitswerk und erhielt vom Komponisten daher auch keine Opuszahl. Geschrieben hat er es »für meine kleine Freundin Maxe Brentano zu ihrer Aufmunterung im Klavierspiel«. Und als unterhaltsam könnte man dann auch den Tonfall des reizvollen Satzes bezeichnen, auch wenn sich die Streicher hier wieder vornehm zurückhalten müssen.
Dennoch öffnete Beethoven mit seinen Trios das Tor zur Romantik, in der Tonschöpfer wie Robert Schumann den Ton angaben. Der verlieh seinem Klaviertrio Nr. 3 g-Moll eine innere Unruhe und fast bedrohliche Atmosphäre. »Diesem originellen Werke liegt in den drei ersten Sätzen eine gereizte, düstere Stimmung zu Grunde, welche nicht gerade zum Mitgenuß einladet«, äußerte sich der Geiger Wilhelm Joseph von Wasielewski, der bei der ersten Probe des kurz zuvor vollendeten Werks mitwirkte. Und auch der Humor des Finalsatzes will danach nicht so recht zünden.
Nach dem deutschen Romantiker Schumann steht Charles Ives für die moderne amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts. Im Klaviertrio zeigt er sich von seiner radikalen, kuriosen und eigenwilligen Seite: Darin treffen traditionelle Elemente auf kühne Polytonalität und Zitate aus amerikanischen College-Liedern. Einige davon finden wir im ironischen zweiten Satz mit dem Titel TSIAJ (»This Scherzo Is A Joke«), der die ausgelassenen Spiele und Späße der Studierenden auf dem Campus in ungestüme Presto-Töne fasst.
Mit zwei Werken schreibt das Amelio Trio die Erfolgsgeschichte des Klaviertrios außerdem selbst weiter: Zum einen mit vertrautes angezogensein, das die 1981 in Hilden geborene Birke Bertelsmeier für das Ensemble geschrieben hat. Die zitiert darin unter anderem aus dem schlicht schwebenden Triosatz von Beethoven, wie das ganz Stücke beinahe schwerelos zu schweben scheint. »Neben den Streichern, die oft weitgespannte Akkorde auf bis zu drei Saiten gleichzeitig spielen, erzeugt ein mit Metallnieten präparierterFlügel Klänge, die eher an verstimmte Glocken erinnern als an ein Klavier«, schreiben die Musiker über das Werk. »Ergänzt wird diese schwebende Klangwelt durch ein zum Klingen gebrachtes Weinglas.« Doch am Schluss werden wir abrupt aus dieser Traumwelt herausgerissen.
Der aktuellste Triobeitrag des Programms stammt schließlich von Helena Winkelman: Das vierte Klaviertrio der schweizerisch-niederländischen Komponistin »ist ganz der Suche nach einer Aus-Zeit gewidmet«, schreibt sie in ihrem Werkkommentar. Das Stück ist »eine Reise zwischen Bewegung und Innehalten, dramatischer Entwicklung und stillem Klang-Kontinuum«. Und weiter: »Schon die ersten Takte des zehnminütigen Werks exponieren diese thematische Idee: Unruhige Streicher-Tremoli auf dem Ton d werden von einem tiefen perkussiven Effekt im Klavier zweimal unterbrochen, bevor ein Signalmotiv repetierter Noten im Klavier einen langsamen Aufstieg initiiert, der das Werk auf seine erste dramatische Flughöhe führt«– bis schließlich die erste »Insel« erreicht wird. Zwischen den verschiedenen »Inseln« treffen wir mal auf ironisch-boshafte, mal melancholische oder verspielte Episoden, bevor das Stück am Ende zum viertaktigen Signalmotiv vom Anfang zurückkehrt.
Bjørn Woll
Biographie
Amelio Trio
Die gemeinsame Geschichte des Ensembles begann 2012 bei Jugend musiziert. Damals waren Johanna Schubert, Merle Geißler und Philipp Kirchner gerade einmal 13 Jahre alt. Heute spielen sie seit mehr als der Hälfte ihres Lebens zusammen – eine außergewöhnliche Kontinuität, die ihr nahezu intuitives Zusammenspiel prägt. Den internationalen Durchbruch markierten bedeutende Wettbewerbserfolge: der 2. Preis beim ARD-Musikwettbewerb 2023, der Gewinn des Deutschen Musikwettbewerbs sowie der Hans Gál-Ensemble-Preis 2025 der Villa Musica Rheinland-Pfalz und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.
Das Amelio Trio zeichnet eine unverwechselbare Klangsprache aus: getragen von außergewöhnlicher Homogenität, über ein Jahrzehnt gewachsenem Vertrauen und einer intuitiven Wachheit im Zusammenspiel. So gelingt es Johanna Schubert, Merle Geißler und Philipp Kirchner, klassische Meisterwerke und Musik des 20. und 21. Jahrhunderts in einen lebendigen Dialog zu bringen und Bekanntes neu hörbar zu machen.
Diese Offenheit prägt auch die Programme und die Diskographie des Ensembles. Nach dem gefeierten Debütalbum Time in Flux (2025) erschien am 18. September 2026 das Album Beethoven X Schachtner. Das Release-Konzert findet am 5. November 2026 im Berliner Lobe Block statt.
Mit der Ernennung zum ECHO Rising Star 2026/27 – nominiert von der Kölner Philharmonie, der Elbphilharmonie Hamburg, dem Barbican Centre London und der Philharmonie du Luxembourg – beginnt für das Amelio Trio ein neues Kapitel seiner internationalen Karriere. Die Tournee führt das Ensemble in die bedeutendsten Konzerthäuser Europas, u.a. erstmals in den Musikverein Wien und das Concertgebouw Amsterdam. So ist das Amelio Trio mit seinem Konzert am 20. September auch zum ersten Mal in der Kölner Philharmonie zu erleben.
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Editor
- Kulturpartner der Kölner Philharmonie

Andreas Günther, Sebastian Loelgen (verantwortlich)

