Tue 06.10.2026 | 20:00

novoflot: The Fifth Season, First »Dicker Dienstag« in Cologne

A musical theatre exploration of international carnival cultures
Kölner Philharmonie
No intermission | Estimated end at 21:30
Stage set with glowing projections on the floor and several people in colorful costumes striking various poses.

Artists

Sarah Defrise Sopran
Rosemary Hardy Sopran
Hayden Chisholm Saxophon
Nils Wogram Posaune
Chris Dahlgren E-Bass, Gitarre, Gesang
Eric Schaefer Schlagzeug
Jacopo Salvatori Tasteninstrumente
Antonis Anissegos Tasteninstrumente
Gareth Lubbe Viola, Gesang
Peter Fasching Schauspiel
Renae Shadler Performance

Jugendblasorchester der Rheinischen Musikschule
Ensemble dissonArt
Ensemble ColLAB Cologne

Vicente Larrañaga Musikalische Leitung
Sven Holm Regie und Konzept
Malte Ubenauf Dramaturgie und Konzept
Regine Standfuss Kostüme
Mirko Borscht Video

 


In Kooperation mit Kühlhaus Berlin, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Greek National Opera und KölnMusik

Gefördert von der Kunststiftung NRW und Pro Helvetia

Programm

novoflot
Die 5. Jahreszeit – Eine musiktheatrale Auseinandersetzung mit internationalen Karnevalskulturen
Erster Dicker Dienstag zu Köln
Die große Karnevalshypnose


Mit Uraufführungen von Antonis Anissegos und Michael Wertmüller, Fragmenten aus Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten, Karnevalsmusiken der Renaissance, Improvisationen der novoflot-Band sowie Performances der eingeladenen Magic Societies aus Köln.

Zum Programm

novoflot: Die 5. Jahreszeit

Handelte es sich bei der 5. Jahreszeit ursprünglich um das hemmungslose Fest des Volkes, in dessen Rahmen die Unterdrückten ungestraft ihre Meinungen über die Mächtigen äußern durften, so erscheint diese Ausgangslage im Jahr 2026 ziemlich obsolet. Was bringen ein paar tolle Tage angesichts von 100 Millionen digitalen Meinungsäußerungen pro Sekunde an 365 Tagen im Jahr? Wen interessieren Büttenreden und Motivwagen, wenn man sich jederzeit und so öffentlich wie nie zuvor auf Kosten anderer lustig machen kann ohne ernsthafte Konsequenzen fürchten zu müssen? Voilà. Wie also ließen sich Rosenmontag & Co zu neuem Leben erwecken? 

Vielleicht so: die 5. Jahreszeit wird zur ekstatischen Feier des Innehaltens, zur offiziellen und ganz großen Bühne für Patente, die sinnstiftende und respektvolle Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens bereitstellen! Novoflot jedenfalls geht es ohne Umschweife an und betreibt mehrtägige künstlerische Grundlagenforschung in Köln! Die Versuche zielen in sehr unterschiedliche Richtungen: während sich in der Philharmonie wundersame Magic Societies zum vielstimmigen Ersten Dicken Dienstag zu Köln versammeln und anschließend einer nie dagewesenen philharmonischen Karnevalshypnose beiwohnen, sind zahllose närrische Schlafwandler:innen im öffentlichen Raum unterwegs und stoßen hierbei auch auf das Erste und einzige Kölner Open-Air-Fastenkino mit Dolby-Stereo-Sound! Ein Festival-Angebot, das die große Bandbreite möglicher Neuausleuchtungen der 5. Jahreszeit vor Augen und Ohren führt! 

Das Musiktheater-Festival für Köln, das mit einer Wiederaufnahme der in Berlin uraufgeführten Ouvertüre eröffnet wird, geschieht unter Mitwirkung von über 100 Musiker:innen des Kölner Jugendblasorchesters, des Ensemble ColLab sowie Solomusiker:innen, Tänzer:innen und Performer:innen aus der Domstadt, den Komponisten Michael Wertmüller (Schweiz), Antonis Anissegos (Griechenland), Jacopo Salvatori (Italien), der britischen Sopranistin Rosemary Hardy sowie dem internationalen Team von novoflot! Dazu gehört auch der österreichische Schauspieler Peter Fasching, der am Schauspiel Köln zuletzt in Asche (2025) zu sehen war und sonst u.a. am Wiener Burgtheater und Schauspiel Hamburg wirkt.

Biographie

novoflot

novoflot ist eine freie Opernkompanie in Berlin. Sie wurde 2002 von dem Regisseur Sven Holm, dem Dirigenten Vicente Larrañaga und dem Performancekünstler und Dramaturgen Sebastian Bark gegründet. 2014 wurde novoflot mit dem George Tabori Preis ausgezeichnet. 2018 erschien im Verlag Theater der Zeit das Buch Novoflot – Die 15. Spielzeit. Seit 2002 entstanden mehr als 50 experimentelle Operninszenierungen. Spielorte und Koproduzenten waren u.a. die Hamburgische Staatsoper, das Ultraschall Festival, das Festival Warschauer Herbst / Teatr Wielki, die Transmediale, das Radialsystem, das Haus der Berliner Festspiele, der Hamburger Bahnhof, die Akademie der Künste, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, das Schauspielhaus Zürich/Schiffbauplatz, Matucana100 in Santiago de Chile, Parque Cultural de Valparaíso, Kunstfest Weimar/Deutsches Nationaltheater Weimar, das Copenhagen Opera Festival, das Musikfestival Bern, das WDR-Funkhaus, die Kölner Philharmonie, die Greek National Opera und die Münchener Biennale.
novoflot war zuletzt im Oktober 2024 in der Kölner Philharmonie zu Gast.


novoflot und die Oper

Die Oper ist ein Gesamtkunstwerk, deren einzelne Bausteine für sich genommen jeweils Kunstgeschichte schreiben. Und sie ist ein Missverständnis. Denn vieles von dem, was die Oper heute auszeichnet, widerspricht den eigentlichen Zielen ihrer Erfinder: eine Wiederbelebung der antiken Ideale. So wollte es die Florentiner Camerata Ende des 16. Jahrhunderts. Die Bourgeoisie Europas jedoch fand ein ganz eigenes Gefallen an dem neu geschaffenen Genre und deutete das einzigartige Potential der Gattung zu Ungunsten seiner Bauteile um: Erkenntnisgewinn bei Liebe, Mord und Totschlag wurde dem unbedingten Willen zur Repräsentation geopfert. novoflot versteht sich als Gegenpol dieser Entwicklung. Oder besser gesagt: als Gegenbewegung. Seit 2002 untersuchen die Künstler:innen des frei produzierenden Ensembles die verdeckten Dimensionen der Gattung Oper und setzen das Mosaik der Einzelteile immer wieder neu zusammen. Herausgekommen sind Opernereignisse abseits der scheinbar manifesten Präsentationsform, aufgeführt auf Volksbühnen, Trabrennbahnen, Brachflächen, mobilen Opernhausarchitekturen, versunkenen Kirchen und ehemaligen Fitness-Studios. Konflikte jeglicher Art waren und sind bei diesen Unternehmungen vorprogrammiert. Laut Duden jedoch bilden sie die Voraussetzung für das Drama.

(Malte Ubenauf und Dörte Wolter aus dem Vorwort des Jubiläumsbandes »Die 15. Spielzeit«, erschienen 2018 bei Theater der Zeit)

Vorschau

Weitere Highlights

    Editor

    • Kulturpartner der Kölner Philharmonie
    Editor:
    Andreas Günther, Sebastian Loelgen (verantwortlich)