Momi Maiga

Artists
- Momi Maigavocals, kora
- Carlos Montfortviolin
- Marçal Ayatsvioloncello
- Aleix Tobiasdrums
Zum Programm
Weltgewandtheit aus dem Senegal – Momi Maiga
In der afrikanischen Musik haben sich in den letzten Jahren viele feine Töne zwischen Afro-Pop, Jazz und Kammermusik etabliert. Einer der interessantesten Kreativköpfe ist der Künstler Momi Maiga aus dem Senegal.
Der Sänger, Koraspieler und Komponist begeistert auf ganzer Linie: Mit Ende Zwanzig baut er von seiner Wahlheimat Barcelona aus Brücken zwischen seinen westafrikanischen Traditionen und einer weltgewandten, zeitgenössischen Klangsprache. Bereits zwei Alben, Nio und Kairo, und weltweite Konzerte zeugen von seiner Schaffenskraft. Woher hat dieser Ausnahmekünstler seine erstaunlichen Fähigkeiten?
Sie gründen in der Musik der Griots, jener Kaste von Geschichtenbewahrern und -erzählern, die vor allem im Senegal, in Mali, Guinea und Gambia seit Jahrhunderten einen traditionellen Bestandteil der Kulturen darstellen. Einer der Klans dieser Kaste sind die Cissokhos. Zu ihnen zählt auch Momi Maiga, der schon – wie alle seine Vorfahren – das Griot-Instrument par excellence, die 22-saitige Stegharfe Kora wählt, und dies bereits im Alter von sechs Jahren. Das Instrument mit seinem quirligen, flirrenden Klang gehört zur DNA der Griot-Kultur. Auf der herkömmlichen Spielweise der Kora baut Maiga auf, bezieht dann Einflüsse nicht nur aus dem Jazz, sondern – wie der 2024 verstorbene malische Kollege Toumani Diabaté – auch aus dem Flamenco, aus den Klangwelten des Mittelmeers und sogar aus der abendländischen Kammermusik. Und man kann mit offenen Ohren noch mehr Färbungen erkennen: etwa aus dem Barock, aus der rituellen Musik der marokkanischen Gnawa, und im Aufgreifen der widerborstigen Mbalax-Rhythmen aus Maigas erster Heimat Senegal.
Getragen werden seine Songs von einer bezwingenden Falsettstimme, die eleganten Feinschliff besitzt und mit der er vorzugsweise in den Sprachen Wolof und Mandinka singt. Mit dieser Stimme entwickelt er wunderbare Solo-Passagen, aber auch ausharmonisierte Sätze, und trotz der unglaublichen Smoothness gleitet sie nie ins Kitschige ab. Des Weiteren punktet sein Sound mit großartig räumlichen Arrangements: Maigas Kora thront inmitten von grandios durchdachten Schlagwerk-Aktionen, für die Aleix Tobías zuständig ist, der Meister der perkussiven Raffinesse schlechthin auf der iberischen Halbinsel. Umsponnen wird die Musik Maigas von einem sehr fein gesetzten Streichersatz, für den der Geiger Carlos Montfort verantwortlich zeichnet, ein Musiker, der auch immer wieder mit der kürzlich in der Philharmonie umjubelten Katalanin Sílvia Pérez Cruz auf der Bühne ist. Marçal Ayats am Cello schließlich bringt warme Textur in den Streichersatz hinein. Zarte, empfindsame Klänge aus Westafrika, die in ihrer Innovationskraft fesseln und überraschen.
Stefan Franzen
Vorschau
Melissa Aldana Quartet»Echoes of the Inner Prophet«
Liberation Orchestra of Inverted TraditionsEin Klangdialog
»Longing to tell – a blues opera«Akua Naru & Ensemble Resonanz
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