Fri 22.05.2026 | 20:00

Lucia Cadotsch AKI

Kölner Philharmonie
No intermission | Estimated end at 21:20
Lucia Cadotsch looks earnestly into the camera, in a softly lit, rose-tinted room. Her expression is contemplative.

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Lucia Cadotsch AKI

Wer seinerzeit den Roman-Polanski-Thriller Rosemaries Baby gesehen hat, wird gewiss noch den sinistren Soundtrack mit der eindringlichen Stimme von Ursula Dudziak im Ohr haben, die der sich fatal entwickelnden Dramaturgie hin zum ganz persönlichen Horror einer werdenden Mutter erst die rechte Dynamik verleiht.

Nun, um Angst und Schrecken zu verbreiten, darum ist es der in Zürich geborenen und seit Längerem in Berlin lebenden Sängerin Lucia Cadotsch ganz gewiss nicht zu tun, aber es bleibt doch festzuhalten, dass sie über eine ähnlich beeindruckende Bandbreite vokalistischer Möglichkeiten verfügt wie ihre berühmte polnische Kollegin. Die weiß sie freilich denkbar sparsam einzusetzen, frei nach dem Motto »weniger ist mehr«. 

Lucia Cadotsch will als Sängerin nicht Frontfrau sein. Hier zählt allein das Kollektiv, und so muss es auch nicht weiter verwundern, dass keines der zahlreichen musikalischen Projekte den Namen der Sängerin trägt. Ihr gehe es nicht ums Renommee, sondern ausschließlich um den Song, den Klang, um Atmosphärisches, wie die 42–Jährige in einem Gespräch für die Zeitschrift Jazz ’n’ More betont. Wie souverän sie sich im Grenzbereich zwischen Kunstlied, Avantgarde-Jazz und artifizieller Gedichtvertonung tummelt und wie weit sie dies zur Perfektion zu bringen vermag, davon zeugt ihr aktuelles Projekt AKI mit dem Pianisten Jozef Dumoulin, dem Bassisten Phil Donkin und James Maddren am Schlagzeug.

Von der ersten Sekunde an wird man förmlich hineingesogen in den eigenen, kleinen Kosmos dieses Quartetts. »Ich komme nun einmal aus der instrumentalen Musik, den Gesang habe ich erst spät für mich entdeckt«, so Cadotsch, »darum ist es mir wichtig, dass die Instrumente genau so viel Raum erhalten wie die Stimme.« Die Songs von AKI erreichen eine erstaunliche Mehrdimensionalität, indem die verbale Lyrik von den Instrumenten vielschichtig weitergesponnen wird. Etwa in dem ambivalenten Stück I Won’t, wo auf Cadotschs verhuscht vorgetragene Strophe eine Uptempo-Piano-Einlage folgt. Oder in dem spukhaften Secedas, das mit seinem schleppenden Beat der Heartbreak Hotel-Version eines John Cale zur Ehre gereichen würde.

Lucia Cadotsch, das ist deutlich in jeder einzelnen Note zu spüren, ist eine Team-Playerin und ihre Formationen (neben AKI sind dies das Jazz-Standards interpretierende Trio Speak Low und das eher dem Experiment verschriebene Ensemble LIUN + The Science Fiction Orchestra) funktionieren wie ein lebender Organismus – jederzeit willens, im Zusammenspiel neue Felder zu erkunden und sie spannungsreich zu kolorieren. So unbefangen und natürlich, wie Cadotsch und ihre Band fremden und eigenen Klängen folgen, um sie mit Stimme und Instrumenten emotional hörbar werden zu lassen, so wenig macht die Wahl-Berlinerin Musik, die um des reinen Effekts willen den Beifall des Publikums sucht. Man sollte sich schlicht der Sogwirkung von AKI ergeben und sich im Fluss der Ereignisse treiben lassen. Erst dann entfaltet ein Zauber des Klangs, dem man nur allzu gerne erliegt.

Tom Fuchs
 

Lucia Cardotsch im Kurzinterview über Musik mit Ecken und Kanten
Lucia Cadotsch in a headshot; she is smiling slightly. She is in a café or restaurant.
Lucia Cadotsch mit ihrem Song »Speak Low« live beim Bonner Jazzfestival 2020
A black-and-white video still of Lucia Cadotsch singing into a microphone with her eyes half-closed.

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