Vivaldi’s Four Seasons, remixed

Artists
- Anna Meredithelectronics
Programm
Anna Meredith *1978
ANNO (2016)
für verstärktes Streichorchester, Cembalo, Elektronik und optionale Visuals
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»Vivaldi-Experiment 3.0«
ANNO – Vier Jahreszeiten von Anna Meredith und Antonio Vivaldi
Schon immer waren Komponisten von der Schöpfung angetan. Von ihren elementaren Kräften wie Blitz, Donner und Gewitter. Aber auch von Mutter Natur mit ihren murmelnden Bächen und zwitschernden Vögeln. Einer, der das Gewusel, Getröpfel und Gegackere schon fast realitätsgetreu mit seiner Musik abbildete, war der Venezianer Antonio Vivaldi. So schaffte er es 1725 mit seinem berühmten Violinkonzert-Zyklus Le quattro stagioni, von den tosenden Nordwinden bis zur schneidenden Eiseskälte die klimatischen Eigenheiten der vier Jahreszeiten festzuhalten.
All das hatte Vivaldi nur mit schwarzen (Noten-)Punkten derart farbenreich und packend eingefangen, dass bereits damals das Publikum von diesem Zyklus gar nicht genug bekommen konnte. Heute haben Le quattro stagioni nicht nur ihren ewigen Stammplatz in den Top 3 der klassischen Musik. Die effektvollen und hochvirtuosen Violinkonzerte inspirieren regelmäßig zu musikalischen Rekreationen und Remixes.
2016 erhielt nun die schottische Komponistin Anna Meredith eine Anfrage, die sie nicht ablehnen konnte. Es war Jonathan Morton, seines Zeichens künstlerischer Leiter des Scottish Ensembles, der sie einlud, den Vivaldi-Zyklus musikalisch upzudaten. »Jonathan erkannte einige Verbindungen zwischen meiner Art zu komponieren und Vivaldis Musik, an die ich zuvor noch nicht gedacht hatte.« Die Komponistin war von der Idee begeistert, ein neues »Vivaldi«-Stück für Streichorchester und Elektronik zu schreiben. Doch zugleich wusste sie, dass sie all die barocken Ohrwürmer nicht einfach neu bearbeiten wollte. Vielmehr reifte in ihr und ihrer grenzenlosen Phantasie der Gedanke von einem musikalischen Dialog zwischen ihr und Vivaldi. Das Ergebnis ist ANNO (Jahr), für das Anna Meredith auch markante Passagen aus dem Originalwerk mit ihren ganz eigenen, mal atmosphärisch dichten, mal rhythmisch pulsierenden Elementen verschmilzt oder abwechselnd präsentiert. Tatsächlich war Anna Meredith dank ihrer musikalischen Wanderungen zwischen zeitgenössischer Klassik, experimentellem Pop und Electronica für dieses »Vivaldi-Experiment 3.0« einfach prädestiniert.
Das ursprüngliche Format der »Vier Jahreszeiten« mit ihren insgesamt zwölf Sätzen hat Meredith um drei weitere kurze Sätze erweitert. »Ich habe versucht, sicherzustellen, dass jeder meiner eigenen Sätze seine eigene Stimmung und seinen eigenen Charakter hat – genau wie bei Vivaldi –, aber tatsächlich gibt es so viele Verbindungen, die sich durch das gesamte Werk ziehen, dass die Sätze alle miteinander verbunden sind und gleichzeitig etwas Neues schaffen.« ANNO ist ein sinnliches Erlebnis, eine musikalisch-poetisch dichte Abenteuerreise durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter, wie man sie so noch nie miterlebt hat.
Guido Fischer
Biographien
Anna Meredith
Anna Meredith ist Komponistin, Produzentin und Interpretin akustischer und elektronischer Musik. Ihr Sound wird oft als »nicht kategorisierbar« und »genreübergreifend« beschrieben und bewegt sich zwischen zeitgenössischer Klassik, Kunstpop, Film- und Fernsehsoundtracks, Electronica, Installationen und experimentellem Rock. Anna Meredith war »Composer in Residence« beim BBC Scottish Symphony Orchestra und RPS/PRS »Composer in the House« bei Sinfonia ViVA. Ihr Debütalbum Varmints erschien 2016, gefolgt von ihrem zweiten Album FIBS (2019). Beide Alben wurden von der Kritik hoch gelobt und ausgezeichnet.
In den letzten acht Jahren arbeitete Anna Meredith mit ihrer Band zusammen – drei der führenden Instrumentalist:innen Großbritanniens: Maddie Cutter am Cello, Jack Ross an der Gitarre und Sam Wilson am Schlagzeug. Sie tourten bereits durch Großbritannien, mit Konzerten unter anderem im Barbican Centre, im EartH und der Queen Elizabeth Hall in London, und traten bei den Festivals Glastonbury, Latitude, Haldern Pop und SXSW auf. Die Band hat mit mehreren Orchestern zusammengearbeitet, um neue Arrangements von Annas Merediths Werken für Band und Orchester aufzuführen, darunter Auftritte im Londoner Barbican (London Contemporary Orchestra unter der Leitung von Rob Ames), im Manchester Mayfield Depot (RNCM unter der Leitung von Rob Ames) für Factory International sowie Auftritte in Georgien und den Niederlanden.
2023 veröffentlichte das Ligeti Quartett NUC – ein Album mit Anna Merediths Streichquartettwerken. Das Album enthält bestehende Stücke für Streichquartette sowie neue Arrangements von Albumtiteln für Quartett und Elektronik des Bratschisten Richard Jones. Ihr Stück ANNO, das sowohl ihre eigene Musik als auch Vivaldis Vier Jahreszeiten mit Visuals ihrer Schwester, der Illustratorin Eleanor Meredith, umfasst, wurde bereits vielfach aufgeführt, unter anderem in den USA, Europa, Japan, Korea und Großbritannien. Eine Aufnahme von ANNO, die in Zusammenarbeit mit dem Scottish Ensemble entstand, erschien 2018. Anna Meredith arbeitet derzeit an ihrem dritten Studioalbum.
Anna Meredith ist mit diesem Konzert zum ersten Mal in der Kölner Philharmonie zu Gast.
B’Rock
Das 2005 im belgischen Gent gegründete B’Rock Orchestra verbindet Leidenschaft für Barockmusik mit dem Wunsch, die Grenzen der traditionellen Aufführungspraxis zu erweitern. Der Name des Ensembles spiegelt die Absicht, seinem Publikum einen frischen, energiegeladenen Ansatz für die Interpretation alter Musik mit zeitgenössischem Einschlag zu bieten. Prominente Musiker:innen, aber auch bildende Künstler:innen, Regisseur:innen und Choreograph:innen bilden die künstlerische Familie des Ensembles. Seit seiner Gründung erforscht B’Rock das volle Ausdruckspotenzial historischer Instrumente und setzt sich dabei in oftmals kühnen Programmen und originellen Aufführungen mit einer Vielzahl von Musikstilen und Epochen auseinander. Das Repertoire des B’Rock Orchestra umspannt fünf Jahrhunderte und reicht von den Meisterwerken des Barock bis zu zeitgenössischen Werken. Seine künstlerischen Konzepte nutzt das Ensemble dabei zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen.
Mit dem Vocal Consort hat B’Rock sein Repertoire in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Sänger:innen erweitert. Um seine Verbindung zum Publikum zu vertiefen, Teilhabe zu bieten und künftige Talente zu fördern, hat das Ensemble sich mit den B’Rock Encounters eine eigene Plattform für soziale und edukative Projekte geschaffen. B’Rock arbeitet seit langem mit Produktions- und Präsentationspartnern wie DE SINGEL International Arts Centre, Muziektheater Transparant und GRIP (Antwerpen), KASK & Conservatorium Gent, International Opera Academy (Gent) und Opéra de Rouen zusammen. Das Orchester ist regelmäßiger Gast im Muziekcentrum De Bijloke Gent, im Concertgebouw Brugge und im Bozar in Brüssel und wird unter anderem im Concertgebouw und im Muziekgebouw Amsterdam, im Amare Den Haag, in der Kölner Philharmonie, in der Elbphilharmonie, beim Beethovenfest Bonn und an vielen anderen Spielstätten begrüßt.
Zu den jüngsten Höhepunkten zählen eine Tournee durch sechs europäische Städte mit Carmen (Fassung von 1874) und eine Reise nach Korea und Japan mit Händels Il trionfo del Tempo, beide unter der Leitung von René Jacobs; die Tanz- und Theatervorstellungen Torment of Hearts von Femke Gyselinck (GRIP), Eat me von Aïda Gabriëls (Oester, Transparant & B Classic), Chapters of Celebration von Benjamin Abel Meirhaeghe und Wouter Deltour (Transparant), und La révolution de Carmen (Opera2Day, NL) sowie Zusammenarbeiten mit (Vokal-)Solist:innen wie Jeanine De Bique, Alexander Melnikov, Lucie Horsch, Olga Pashchenko, en Elisabeth Hetherington.
Zu den in jüngerer Zeit veröffentlichten Aufnahmen zählen Water & Fire (Händel), die Requien von Philippus van Steelant sowie Schuberts sämtliche Sinfonien unter der Leitung von René Jacobs.
Das B’Rock Orchestra wird von den flämischen Behörden und der Stadt Gent unterstützt.
In der Kölner Philharmonie war das B’Rock Orchestra zuletzt im April dieses Jahres zu Gast.
Die Besetzung des B’Rock Orchestra
Violine I
Elfa Run Kristinsdottir Konzertmeisterin
Sara DeCorso
Shiho Ono
Malu Pomares
Violine II
Rebecca Huber
Ortwin Lowyck
Ellie Nimeroski
Viola
Amaryllis Bartholomeus
Manuela Bucher
Violoncello
Rebecca Rosen
Nika Zlataric
Kontrabass
Elise Christiaens
Cembalo
Dimos De Beun
Vorschau
Die nächsten Konzerte in der Reihe Philharmonie.7
Weitere Highlights
Editor
- Kulturpartner der Kölner Philharmonie

Andreas Günther, Sebastian Loelgen (verantwortlich)


