20 Jahre Pablo Held Trio

Artists
Emilio Modeste saxophon
Pablo Held Trio
Pablo Held piano
Robert Landfermann bass
Jonas Burgwinkel drums
Gefördert vom Kuratorium KölnMusik e.V.
Zum Konzert
Pablo Held Trio feat. Emilio Modeste
Manche Zufälle kann nur der Kalender herbeiführen. Am 13. September tritt das Pablo Held Trio in der Kölner Philharmonie auf, doch gefeiert wird dabei gleich zweifach: Der Konzertabend markiert nicht nur exakt 20 Jahre, seit sich Pablo Held, Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel als Trio zusammengefunden haben. Auch die Philharmonie selbst geht zur gleichen Zeit in ihre eigene Jubiläumssaison – vierzig Jahre nach der Eröffnung des Hauses im September 1986 mit einem Konzert des Gürzenich-Orchesters unter der Leitung von Marek Janowski.
Kurt Edelhagen, Manfred Schoof, Peter Herbolzheimer – alles Koryphäen des Jazz in Köln zu ihrer Zeit, doch wer heute in Köln Jazz meint, kommt an Pablo Held kaum vorbei. Der 39-jährige Pianist ist seit Jahren fester Bestandteil der freien Musikszene der Stadt, unter anderem als Mitglied des Musikerkollektivs KLAENG, das ebenfalls schon im Rund der Philharmonie zu Gast war. Sein Trio hat sich in zwei Jahrzehnten einen besonderen Ruf erspielt: die kongeniale Begleitung von Solisten, das aufmerksame Zuhören und Reagieren auf die Gäste, ohne die eigene musikalische Handschrift aufzugeben. Gast dieses besonderen Abends ist der junge Tenorsaxophonist Emilio Modeste. Der US-Amerikaner gilt als lyrischer, undogmatischer Spieler, der hörbar in der Tradition von Wayne Shorter steht; ein nicht eben leichtes Erbe, das der 26-Jährige freilich mit eigenem, unverwechselbarem Ton weiterträgt. Das Zusammentreffen mit dem eingespielten Trio verspricht damit genau jene Reibung, aus der immer noch die besten Konzerte des Pablo Held Trios in der Vergangenheit entstanden sind.
Emilio Modeste
Die Kritik hat dem Trio wiederholt bescheinigt, jenen schwer fassbaren Moment hörbar zu machen, in dem eine improvisierende Gruppe zueinander findet. Pablo Held selbst hat das Ziel seiner Musik einmal so beschrieben: Komponiertes solle improvisiert wirken, Improvisiertes wie komponiert. Oft wird erst im Laufe des Konzerts spontan entschieden, welche Kompositionen in mitunter halbstündige Improvisationen münden. Statt dabei auf klassische Thema-Solo-Thema-Schemata zu setzen, entwickelt das Trio organische, fließende Formen, in denen alle drei Musiker gleichberechtigt agieren.
Im Vergleich zu anderen prägenden Klaviertrios der Gegenwart lässt sich die Position des Pablo Held Trios präzise verorten: weniger plakativ als das frühere e.s.t. Trio aus Schweden, weniger konfrontativ als The Bad Plus, ähnlich introspektiv wie das Brad Mehldau Trio, aber offener in der Form – und vor allem geprägt von einer über die Jahre gewachsenen, fast telepathischen Band-Chemie, die im heutigen Jazz ihresgleichen sucht.
Für ein improvisierendes Trio sind zwanzig gemeinsame Jahre eine seltene Konstante. Held, Landfermann und Burgwinkel haben in dieser Zeit eine musikalische Vertrautheit entwickelt, die es ihnen erlaubt, weitgehend ohne Absprachen und feste Arrangements zu spielen und gerade darin liegt die Spannung ihrer Auftritte. Das Jubiläumskonzert in der Kölner Philharmonie ist damit weniger museale Rückschau als Fortsetzung: der nächste Moment in einem angeregten musikalischen Diskurs, der nun schon seit zwei Jahrzehnten andauert und mit jedem neuen Gastmusiker eine neue Wendung nimmt.
Tom Fuchs
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