Rising Stars: Trio Concept

Mitwirkende
- Edoardo GriecoVioline
- Francesco MassiminoVioloncello
- Lorenzo NguyenKlavier
Programm
Lili Boulanger 1893–1918
D’un soir triste (1918)
Fassung für Violine, Violoncello und Klavier
D’un matin de printemps (1918)
Fassung für Violine, Violoncello und Klavier
Alfredo Casella 1883–1947
Siciliana e burlesca op. 23b (1917)
für Violine, Violoncello und Klavier
Clemens K. Thomas *1992
Save Pepe
Variationen über das Meme vom traurigen Frosch und »L’amour toujours«
für Violine, Violoncello und Klavier
Kompositionsauftrag von Festspielhaus Baden-Baden und Palau de la Música Catalana
Maurice Ravel 1875–1937
Klaviertrio a-Moll (1914)
I. Modéré
II. Pantoum. Assez vif
III. Passacaille. Très large
IV. Final. Animé
»Rising Stars« ist ein Projekt der European Concert Hall Organisation (ECHO). Trio Concept wurde nominiert von Festspielhaus Baden-Baden und Palau de la Música Catalana.
Zum Programm
»Road to Paris«
Mit 19 gewann Lili Boulanger als erste Frau überhaupt den bedeutenden Rom-Preis am Pariser Konservatorium. Doch ihr Tod mit 25 Jahren verhinderte jede weitere Entwicklung. Mit enormer Willenskraft komponierte sie jedoch bis zu ihrem tragisch frühen Ende, noch auf dem Sterbebett diktierte sie ihrer Schwester Nadia letzte musikalische Gedanken, weil sie selbst den Stift nicht mehr halten konnte. In diesen letzten Monaten entstanden noch zwei Werke in eigener Handschrift: Ähnlich in Umfang und Besetzung, unterscheiden sich die beiden Stücke im Charakter jedoch deutlich voneinander. Voller Verzweiflung und Melancholie ist D’un soir triste (»An einem traurigen Abend«), während D’un matin de printemps (»An einem Frühlingsmorgen«) noch voller Hoffnung steckt. Eine Musik, die mit betörenden Farben und Düften den Beginn des Frühlings heraufbeschwört.
Einige Jahre vor Lili Boulanger studierte auch der Italiener Alfredo Casella am Pariser Konservatorium: Sein Kompositionslehrer dort war niemand Geringeres als Gabriel Fauré, zu seinen Studienfreunden gehörten unter anderen Maurice Ravel und Claude Debussy. In Siciliana e burlesca finden wir die für ihn so typische Mischung aus impressionistischen Elementen und avantgardistischen Tönen: Die Siciliana beginnt im typisch sanften Wiegenrhythmus, kippt dann aber in eine expressiv-dunkle Klangwelt. Die folgende Burlesque verbindet bizarre Komik mit aggressiver Artikulation und grollenden Basstönen im Klavier.
Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verließ Casella seine französische Wahlheimat und kehrte nach Italien zurück. Etwa zu der Zeit, als Maurice Ravel an seinem Klaviertrio in a-Moll arbeitete. Umso verblüffender, dass im Charakter dieses Stücks nichts zu spüren ist von der beginnenden Katastrophe. »Es wirkt vielmehr heiter und gelöst, von einem Raffinement, das an ein rätselhaftes Sonett von Stéphane Mallarmé gemahnt«, beschrieb es einst der Ravel-Biograph Theo Hirsbrunner. Dicht gearbeitet ist das Werk, mit immensen technischen Anforderungen und delikaten rhythmischen Überlagerungen sowie Verschiebungen – und einer kleinen Verbeugung vor dem Barockmeister Bach.
Zwischen die beiden Studienfreunde Casella und Ravel schiebt das Trio Concept noch Save Pepe, das Clemens K. Thomas als Auftragskomposition für das Ensemble geschrieben hat. In seinen Werken setzt sich der in Karlsruhe geborene Komponist mit drängenden Fragen unsere Zeit auseinander, mit der Verarbeitung unseres rasanten medialen Alltags als Leitmotiv. Das gilt auch für Save Pepe, dem das Internet-Phänomen »Pepe der Frosch« seinen Namen gegeben hat. Der will in dem viralen Meme einfach nur chillen und eine gute Zeit haben, wurde im ersten Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump aber von rechten politischen Strömungen vereinnahmt. Ganz so wie der Clubhit L’amour toujours, zu dem auf Sylt fremdenfeindliche Parolen gegrölt wurden. In seiner Komposition stellt Clemens K. Thomas nun die Frage: »Können wir solche Symbole ›zurückholen‹? Darf Pepe einfach nur ein Frosch sein und L’amour toujours einfach nur mitreißende Musik?« Pepe begibt sich dafür auf eine metaphorische Reise, verlässt die toxischen Foren der Netzkultur und sucht nach Ursprünglichkeit. Unterstützt vom Publikum, das als »prepared audience« Teil der Komposition ist. Denn: »Wir alle sind Teil des Lebensraums dieses Froschs. Als vielstimmiges, demokratisches Kollektiv entscheiden schließlich wir, ob der Frosch von Hass und Fremdenfeindlichkeit – oder von Natur und Liebe umgeben ist.«
Bjørn Woll
Biographie
Trio Concept
Das Trio Concept wurde 2013 von drei jungen Musikern aus Turin gegründet: Edoardo Grieco (Violine), Francesco Massimino (Violoncello) und Lorenzo Nguyen (Klavier). Im Oktober 2024 entschied sich das Ensemble, seinen ursprünglichen Namen Trio Chagall in Trio Concept zu ändern, um die Kohärenz eines mehr als zehnjährigen künstlerischen Werdegangs zu unterstreichen. Im Mittelpunkt dieses Weges steht das Konzept des Klaviertrios als Kernstück der musikalischen Tätigkeit und als ständige Quelle kreativer Inspiration. Der neue Name ist von den Worten Michelangelo Buonarrotis inspiriert, die das künstlerische Engagement des Trios widerspiegeln: »die Schönheit in jedem Werk zu entdecken und zu präsentieren, die durch die Aufführung zum Leben erweckt wird – so wie der Bildhauer die perfekte Form im Marmorblock enthüllt.«
Im Juni 2023, nach drei Auswahlrunden und einem erfolgreichen Finalauftritt in der Wigmore Hall in London, wurde das Trio als YCAT Artist aufgenommen. Im selben Jahr gewann es den 1. Preis des Schoenfeld International Competition in Harbin (China) und wurde als Ensemble-in-Residence für ProQuartet in Paris ausgewählt. Nach einer dreimonatigen Residenz bei der Verbier Festival Academy 2024 erhielt es den Prix Yves Paternot, die höchste Auszeichnung des Festivals für herausragendes Talent und künstlerische Exzellenz. Für die Saison 2025/2026 wurde das Trio für die Reihe Rising stars der ECHO nominiert. Die damit berundene Tournee durch die renomiertesten Konzerthäuser Europas führt sie am 14. Juni in die Kölner Philharmonie.
In Italien gewann das Trio Concept im Jahr 2019 den Zweiten Preis – der Erste Preis wurde nicht vergeben – sowie drei Sonderpreise beim Premio Trio di Trieste. Mit einem Durchschnittsalter von nur zwanzig Jahren war es das jüngste Kammerensemble, das je in der Geschichte des Wettbewerbs ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus wurde das Trio von der Jury der Accademia Chigiana mit dem Premio Giovanna Maniezzo als »Ensemble des Jahres 2020/2021« ausgezeichnet. Es wurde von Le Dimore del Quartetto nominiert und war Ensemble-in-Residence für das Comitato Amur in der Saison 2023/2024. Das Trio wurde zudem von der Associazione De Sono unterstützt. Kürzlich debütierte das Trio Concept mit Beethovens Tripelkonzert in Taiwan und arbeitete mit den Künstlern Bruno Giuranna, Mathieu Herzog und Giampaolo Pretto zusammen.
Das Trio engagiert sich für die Erweiterung des Repertoires und gibt Kompositionsaufträge und arbeitet mit Komponist:innen zusammen. Neben seinen Konzerten pflegt das Trio Concept den Dialog mit seinem Publikum und engagiert sich für die musikalische Bildung der jungen Generation durch Schulbesuche und Kinderkonzerte. Darüber hinaus wurde das Ensemble eingeladen, Masterclasses am Royal Birmingham Conservatoire (Großbritannien) und am Lyceum Mozarteum in Havanna (Kuba) zu geben.
Das Trio Concept trat in renommierten Konzertsälen auf, darunter die Wigmore Hall (London), das Konzerthaus (Berlin), das Concertgebouw (Amsterdam), die Alte Oper (Frankfurt), das Teatro La Fenice (Venedig) und die National Concert Hall (Taipeh). Darüber hinaus waren die Drei auch beim Verbier Festival zu Gast.
Edoardo Grieco spielt eine Violine von Pietro Antonio Landolfi (1766), die ihm großzügig von Irene Miller und der Beares International Violin Society zur Verfügung gestellt wurde, während Francesco Massimino das Violoncello »Oro del Reno« spielt, das Gaetano Sgarabotto 1948 in Mailand gefertigt hat.
In diesem Konzert gibt das Trio Concept sein Debüt in der Kölner Philharmonie.
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- Kulturpartner der Kölner Philharmonie

Andreas Günther, Sebastian Loelgen (verantwortlich)

