Als sich das Alban Berg Quartett vor fast 20 Jahren auflöste oder besser gesagt, beschlossen hatte, nicht mehr aufzutreten, ging eine Ära zu Ende, eine Ära, die Bahn brach für die Kammermusik im Allgemeinen und vor allem für die »geistvolle Unterhaltung zwischen vier Gesprächspartnern« wie das Musizieren in der Streichquartettformation auch genannt wird. Wenn man das Alban Berg Quartett hörte, war es dahin mit einem netten kammermusikalischen Abend, bei dem mehr das Gebäck und das Getränk wichtig waren als die Musik. Die Konzerte dieses Ensembles waren aufwühlend, beglückend und berauschend und manchmal alles zusammen auf den Moment …. Die Musik Beethovens war das Zentrum, um das sich alles rankte. Hierüber wurde sich der Weg gebahnt zu Urbanner, Rihm und Nono und immer wieder die »Lyrische Suite« des Namensgebers Alban Berg.
Ohne den Primarius Günter Pichler hätte es dieses Quartett nie gegeben, ohne seine Energie, seinen Ehrgeiz, seine Lust, die Musik zu durchdringen, im Klang zu formen und ohne seine Idee diese Unterhaltung unter Vieren auch kontrovers werden zu lassen hätte es diese Konzerterlebnisse nicht gegeben. Über 50-mal war das Quartett mit ihm an der Spitze in der Kölner Philharmonie zu erleben, und diejenigen, die dabei waren, sind vom Erlebten bis heute beeindruckt. Die Musikwelt hat mit Günter Pichler jemanden verloren, der ein Solitär war, in der Art und Weise, Musik zu durchdringen und im Augenblick elektrisierend entstehen zu lassen.

