Samora Pinderhughes feat. Elena Pinderhughes

Mitwirkende
- Samora Pinderhughespiano, key, vocals
- Elena Pinderhughesflute, vocals
- Elliott Skinnerguitar, vocals
- Josh Harielectric bass
- Jack DeBoedrums
Zum Konzert
»Spirit Flight« – Samora Pinderhughes feat. Elena Pinderhughes
Bei diesem Namen fühlt man sich unwillkürlich in die Welt von Charles Dickens versetzt, »Pinderhughes« würde trefflich in dessen Romankosmos passen, wimmelt es doch dort nur so von lauter Micawbers, Pickwicks, Dedlocks, Havishams und wie sie alle heißen. Tatsächlich jedoch ist der Name Pinderhughes vor allem in den USA verbreitet, und da wären wir auch schon bei unserem Protagonisten, Samora Pinderhughes.
Wer ihn unbedingt in eine Schublade stecken will, braucht schon ein großes Möbel. Pianist, Sänger, Komponist, Filmemacher und nebenbei Doktorand in Harvard: Der 35-Jährige hat offenbar beschlossen, dass ein Beruf dann doch zu wenig ist. Was Samora Pinderhughes von vielen Kollegen unterscheidet, ist der Anspruch. Andere Pianisten mögen Standards polieren, bis man sich darin spiegeln kann. Pinderhughes dagegen schreibt eigene Musik mit ellenlangen Fußnoten. In seiner Transformations Suite erzählt er die Geschichte des Widerstands innerhalb der Black Community der USA, und zwar mit einer Intensität, die man im Konzertsaal sonst selten erlebt. Mit dem Album Grief erntete er 2022 viel Lob der Kritik. Seine Texte gelten als schonungslos ehrlich, begleitet von Film und Visuals. Dahinter steckt die Prägung durch seine Mentorin, die Dramatikerin Anna Deavere Smith, die ihn anregte, Film, Theater und Musik neu zu verbinden. Jazz mit Dramaturgie. Daneben forschte Pinderhughes als Doktorand an der Harvard University zu kreativer Praxis. Musik ist für ihn, in bester Tradition eines Max Roach oder einer Abbey Lincoln, immer auch ein Mittel, gesellschaftliche Fragen zu stellen.
Dass er auch im Ensemble bestehen kann, hat Pinderhughes ebenfalls belegt: Als Teil der US-Supergroup August Greene arbeitete er mit Robert Glasper, Karriem Riggins und dem Rapper Common zusammen. Man darf annehmen, dass angesichts der dort versammelten Koryphäen nicht nur über Tonarten diskutiert wurde. Er übt sich aber auch in kleinem Kreis in musikalischen Auseinandersetzungen, denn nun kommt die Schwester ins Spiel. Elena Pinderhughes ist als Flötistin und Sängerin selbst eine Größe, hat sie doch bereits mit Herbie Hancock und Christian McBride zusammengearbeitet.
Die Pinderhughes-Geschwister, als Kinder von Professoren und Aktivisten in Berkeley aufgewachsen, nahmen schon sehr früh ihr erstes gemeinsames Album, Catch 22, auf. Wie eng die beiden zusammenarbeiten, zeigte zuletzt ein Gespräch beim Sender dublab. Dort sprachen sie über die fließenden Grenzen zwischen Komponieren, Musizieren, Produzieren und Songschreiben, mit einer Tiefe, die nur Bruder und Schwester erreichen, wenn sie gemeinsam arbeiten. Bei ihrem europäischen Duo-Debüt in Berlin stellten sie eigene Stücke vor und erkundeten sie auf überraschende Weise neu.
In Köln dürfen sich die Zuhörer also auf einen Abend freuen, an dem Haltung und Virtuosität zusammenfinden. Samora Pinderhughes erzählt mit Klavier und Stimme von Geschichte und Gegenwart. Elena antwortet mit ihrer Flöte, mal zart, mal schneidend. Eine »family reunion« auf hohem Niveau. Man darf gespannt sein, wie sich Pianist und Flötistin innerhalb einer hervorragend eingespielten Band die Bälle zuspielen.
Tom Fuchs
Vorschau
Das nächste Konzert im Abonnement »Musikpoeten«
Weitere Highlights
Redaktion
- Kulturpartner der Kölner Philharmonie

Andreas Günther, Sebastian Loelgen (verantwortlich)
