So 12.04.2026 | 16:00

Rising Stars: Giorgi Gigashvili

Kölner Philharmonie
Keine Pause | Ende gegen 17:10
Giorgi Gigashvili sitzt auf einem Hocker in einem Zimmer mit Vorhängen und einer großen Pflanze neben ihm.

Mitwirkende

Programm

Natalie Beridze *1979
holy atoms
für Klavier
Kompositionsauftrag von Konzerthaus Dortmund, Kölner Philharmonie (KölnMusik), Philharmonie Luxembourg, NOSPR Katowice und European Concert Hall Organisation (ECHO)

Dmitrij Schostakowitsch 1906–1975
Sonate für Klavier Nr. 2 h-Moll op. 61 (1943) 
I. Allegretto
II. Largo
III. Moderato (con moto) – Allegretto con moto – Adagio – Moderato

Sergej Prokofjew 1891–1953
Sonate für Klavier Nr. 7 B-Dur op. 83 (1939–42) 
I. Allegro inquieto
II. Andante caloroso
III. Precipitato

Galina Ustwolskaja 1919–2006
Sonate Nr. 6 für Klavier (1988) 
Espressivissimo: Viertel = 92 – Espressivissimo: Viertel = 80


 
​»Rising Stars« ist ein Projekt der European Concert Hall Organisation (ECHO).
Giorgi Gigashvili wurde nominiert von Kölner Philharmonie, Konzerthaus Dortmund, Philharmonie Luxembourg und NOSPR Katowice.

Zum Programm

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Holy atoms, das die georgische Komponistin Natalie Beridze als Auftragswerk für den Rising Star Giorgi Gigashvili geschrieben hat, kann als Reaktion auf den gegenwärtigen Zeitgeist verstanden werden. Beridze setzt sich hier mit der Überforderung durch Informationen in unserer digitalen Welt auseinander. »In Zeiten überwältigender Informationsflut sind Rhythmus und Interpunktion nicht nur musikalische Werkzeuge, sondern überlebenswichtig«, schreibt sie dazu. Jeder Akzent sei daher entscheidend. Verpasst man einen, »bricht der Rhythmus zusammen, wird zu etwas völlig anderem, zu einem Konzentrationsverlust – und verwandelt die Wahrheit in eine Halbwahrheit«. Außerdem enthält das Stück »Elemente der georgischen Folklore und spiegelt den georgischen Charakter wider – widerstandsfähig, aber dennoch leicht und verspielt, selbst angesichts von Schwierigkeiten«.

Dmitrij Schostakowitsch komponierte seine 2. Klaviersonate 1943, also im zeitlichen Umfeld der monumentalen Kriegssinfonien Nr. 7 und Nr. 8. Allerdings verzichtet der Komponist darin auf die Dramatik der Orchesterwerke und setzt auf eine eher stille Trauer. Denn die Sonate galt seinem kurz zuvor gestorbenen Lehrer, dem Klavierpädagogen und Komponisten Leonid Nikolajew. Wobei sich die Trauer über den persönlichen Verlust durchaus zur Trauer über die Millionen Kriegsoper weitet. Überwiegend schlicht, teils fast volkstümlich-liedhaft sind die Themen des ersten Satzes, hier und da von drängenden Sechzehntelfiguren, die an die Motorik von Bach erinnern, oder grellen Kontrasten unterbrochen. Am Satzende wandelt sich das Hauptthema zu einem erhabenen Schmerzensgesang. Nach einem wehmütigen Walzer an zweiter Stelle endet das Werk mit einem Variationensatz, dessen Thema an russische Volksmusik erinnert.

Die 7. Klaviersonate von Sergej Prokofjew ist dann Teil eines Zyklus’ von drei Sonaten, die der neben Schostakowitsch wohl bedeutendste russische Komponist des 20. Jahrhunderts als Reaktion auf die Lektüre des wegweisenden, zehnbändigen Musikromans Johann Christof des Literaturnobelpreisträgers Romain Rolland entwarf. In dem spielen die epochalen Klaviersonaten von Beethoven eine wichtige Rolle. 1939 begann Prokofjew die Arbeit an seinem Opus 83, doch die verzögerte sich durch den Eintritt der Sowjetunion in den Zweiten Weltkrieg. Erst 1942, mittlerweile in die georgische Hauptstadt Tiflis evakuiert, konnte Prokofjew sie vollenden. Mit wütender Härte entfesselt der erste Satz ein wahres Pandämonium, auf das im dritten Satz eine infernalische Toccata folgt. Dazwischen steht, als friedlicher Ruhepunkt, ein langsamer Walzer voller Wärme – vielleicht als Hoffnung auf eine friedliche Zukunft?

Im Anschluss spielt Giorgi Gigashvili ein Stück der russischen Komponistin Galina Ustvolskaya, deren erste von insgesamt sechs Klaviersonaten noch vage an den Stil Schostakowitschs erinnert. Es ist eine eigentümliche Werkgruppe, komponiert über einen Zeitraum von über 40 Jahren: Musik von brachialer Urgewalt, spirituell und metaphysisch, mit einer höchst persönlichen Handschrift. Die Sonate Nr. 6 ist mit ihren fast durchgehend dichten Akkordclustern in vierfachem Forte ein geradezu gewalttätiges Werk. Hinzu kommt eine Art Hyper-Expressivität, die sich schon in der Spielanweisung Expressivissimo ausdrückt. Nur ein kurzer Choral bringt einen Moment der Stille in die Sonate, in der Ustwolskaja auch neue Klaviertechniken einsetzt, darunter das Spielen der Tasten mit Handflächen und Ellbogen.

Bjørn Woll
 

Giorgi Gigashvili im Porträt
Giorgi Gigashvili sitzt auf einem Platz im Saal der Kölner Philharmonie.

Biographie

Giorgi Gigashvili

Geboren im Jahr 2000 in Tbilisi, Georgien, erlernte Giorgi Gigashvili das Klavierspiel ohne je an eine professionelle Karriere als Pianist zu denken. Seine Leidenschaft galt vielmehr dem Singen und Arrangieren von georgischen Volksliedern und Popsongs. Er nahm sogar an der georgischen Sendung The Voice teil und gewann den Wettbewerb im Alter von dreizehn Jahren. Trotzdem setzte er seine formale musikalische Ausbildung an der Zentralen Paliashvili-Musikschule für begabte Kinder und schließlich am Staatlichen Konservatorium von Tbilisi unter Revaz Tavadze fort.

2019 gewann er den 1. Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb von Vigo, bei dem Martha Argerich die Juryvorsitzende war. 2021 erhielt er den Hortense Anda Förderpreis beim 15. Concours Géza Anda in Zürich. Dies ermöglichte der Géza Anda-Stiftung, ihn zur Teilnahme beim Kissinger »KlavierOlymp« zu empfehlen, wo er den 1. Preis und den Publikumspreis gewann. 2023 gewann Giorgi Gigashvili den 2. Preis bei der Arthur Rubinstein International Piano Master Competition und wurde zusätzlich mit dem Junior Jury Preis, dem Preis für die beste Kammermusik und mit 5 von 6 Publikumspreisen bedacht. 2024 erhielt er den Terrence Judd-Hallé Award, den Musikpreis der deutschen Wirtschaft sowie mit den Publikumspreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Als ECHO Rising Star 2025/26 tritt er in den wichtigsten europäischen Sälen auf, darunter – neben der Kölner Philharmonie – das Barbican Centre London, das Bozar Brüssel, die Gulbenkian Foundation Lissabon, die Philharmonie de Paris, die Elbphilharmonie Hamburg, das Concertgebouw Amsterdam, das Konzerthaus Dortmund, das Palau de la Musica Barcelona, der Müpa Budapest, die Philharmonie Luxemburg, das Wiener Konzerthaus und viele mehr. Darüber ist er mit dem Orchestra della Svizzera Italiana, der Kammerakademie Potsdam, dem Hamburgischen Staatsorchester, den Münchener Philharmonikern und dem Israel Philharmonic zu erleben. Ein besonderer Höhepunkt ist auch die Recital-Tournee mit Lisa Batiashvili in Europa und Nordamerika im Frühjahr 2026.

Giorgi Gigashvili verbindet seine Karriere als klassischer Pianist mit seiner Leidenschaft für elektronische und experimentelle Musik: Georgian on my Mind ist ein Programm mit der Sängerin Nini Nutsubidze und kombiniert georgische Volkslieder mit klassischen Werken von beispielsweise Chopin oder Bartók. Serious Music feat. Nikala ist ein einzigartiges Bühnenexperiment, bei dem Klassik auf Moderne trifft, eine Synthese aus klassischer und elektronischer Musik. Beide Projekte sowie die Uraufführung seines selbstkomponierten Werks für Orchester, Klavier und Elektronik waren im Rahmen seines Fellowships beim Beethovenfest Bonn im September 2024 zu hören.

2023 erschien sein Debütalbum Meeting my Shadow, das seine ganze Farbpalette zeigt – Scarlatti, Beethoven, Skrjabin und Messiaen. Im Januar 2026 folgte ein Album mit Klaviersonaten von Sergei Prokofiev.

Giorgi Gigashvili studierte bei Kirill Gerstein in Berlin und bei Nelson Goerner in Genf. Er wird von der Lisa Batiashvili Foundation sowie der stArtacademy von Bayer Kultur und der Orpheum Stiftung zur Förderung junger Solisten unterstützt. Außerdem war Giorgi Gigashvili BBC New Generation Artist von 2023 bis 2025. Seit 2025 ist er Steinway Artist.

Mit diesem Konzert gibt Giorgi Gigashvili sein Debüt in der Kölner Philharmonie.
 

Vorschau

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Weitere Highlights

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  • Kulturpartner der Kölner Philharmonie
Redaktion:
Andreas Günther, Sebastian Loelgen (verantwortlich)