Liberation Orchestra of Inverted Traditions

Mitwirkende
Deggo Band
Ibrahima Mbaye Keyboard
Mamadou Mbaye Schlagzeug
Bada Seck Schlagzeug
Abass Seck Schlagzeug
Mangone Ndiaye Dieng Schlagzeug
Ensemble Modern
Dietmar Wiesner Flöte
Sava Stoianov Trompete
Till Künkler Posaune
Hermann Kretzschmar Klavier, Keyboard
David Haller Schlagzeug
Jagdish Mistry Violine
Eva Böcker Violoncello
Paul Cannon Kontrabass
Norbert Ommer Klangregie
Felix Dreher Tontechnik
- Gefördert durch die Kunststiftung NRW

Zum Programm
Vibrierende Klangbrücke – Ensemble Modern / Deggo Band: Liberation Orchestra of Inverted Traditions (2019–23)
In seiner Erfolgsgeschichte, die vor fast einem halben Jahrhundert ihren Anfang nahm, ist das Ensemble Modern viel in der Welt herumgekommen. Was sich nicht allein in den Abertausenden von Flugkilometern widerspiegelt, die man auf den internationalen Konzertreisen gesammelt hat. Auch von den unzähligen uraufgeführten Werken her hat dieses abenteuerlustige Neue-Musik-Ensemble Klanglandschaften jenseits der Stil- und Gattungsgrenzen bereist. Zu den daraus entstandenen Projekten und Programmen gehören aber nicht nur preisgekrönte Kollaborationen mit Gegenwartskomponisten wie Heiner Goebbels, HK Gruber, Wolfgang Rihm und Frank Zappa. Seine musikalischen Erkundungstouren haben das Ensemble Modern ebenfalls etwa nach Dubai, Istanbul und in das chinesische Perlflussdelta gezogen.
Seit vielen Jahren widmet man sich zudem intensiv der aktuellen Musikszene Afrikas bzw. der afroamerikanischen Komponistenszene etwa in den USA. So präsentierte man 2022 hier in der Kölner Philharmonie das Programm »Afro-Modernism in Contemporary Music«, bei dem Kompositionen u.a. von Jessie Cox und Alvin Singleton gespielt wurden. Ein Jahr später war das Ensemble Modern dann maßgeblich auch an dem Kölner Musikfestival »Oluzayo – African Music Futures« beteiligt, bei dem man 2023 unter der Leitung von Vimbayi Kaziboni neue Werke von afrikanischen Komponisten wie Onche Rajesh Ugbabe und Gabriel Abedi aus der Taufe hob.
Die harmonische und rhythmische Komplexität der afrikanischen Musik war für das Ensemble Modern natürlich kein Neuland. So spielt man schon lange Stücke gerade von den einflussreichen Neue-Musik-Komponisten György Ligeti und Steve Reich, auf die die afrikanische Musiktradition einen großen Einfluss ausübte. Zum aber vielleicht prägendsten Erlebnis wurde für das Ensemble Modern die Einladung zum »AfriCourage«-Festival in Gambia. Im Dezember 2019 reisten fünf Mitglieder des Ensemble Modern auf Einladung des Goethe-Instituts Senegal dorthin, wo man im Rahmen des »AfriCourage«-Festivals gemeinsam mit Musikern der Region ein auf der Improvisation basierendes Konzertprojekt realisierte und erfolgreich zur Aufführung brachte. Dabei ging es darum, die unterschiedlichen Musikkulturen und Aufführungstraditionen miteinander in Dialog zu bringen, sodass beide Bereiche gleichberechtigt zum Zuge kommen konnten. Die Ensemble-Modern-Musiker trafen so auf senegalesische Musiker, die bis heute zur Elite der westafrikanischen Musikszene gehören. Dazu zählen der Sabar-Trommler Bada Seck und sein Neffe Serine Mamoune Seck, die zum Clan der Jeri-Jeri und zur traditionellen Musikerkaste der Griots gehören. Außerdem gehörten Modou Mbaye an der Talking-Drum »Tama«, Schlagzeuger Mangone Ndiaye Dieng sowie Keyboarder Ibou Mbaye mit zur Band.
An jenem Dezemberabend 2019 stand man nun erstmals gemeinsam auf einer Live-Bühne (mit dabei war übrigens auch der namhafte Wirtschaftswissenschaftler, passionierte Gitarrist und Erfolgsautor Felwine Sarr). Und wenngleich bei dieser senegalesisch-deutschen Session zwei Musiktraditionen aufeinandertrafen, funkte es sofort zwischen allen Beteiligten. »Für den Festivalauftritt hatten wir kleine Konzeptstücke in Form von Skizzen und Entwürfen mitgebracht, die wir mündlich erklären konnten«, so später Ensemble-Modern-Flötist Dietmar Wiesner im Gespräch mit dem Musikjournalisten Norbert Krampf.
2021 reiste Dietmar Wiesner zusammen mit dem Geiger Jagdish Mistry ein zweites Mal nach Dakar, um den Grundstein für eine erneute Zusammenarbeit mit den dortigen Musikern zu legen. »Teilweise haben wir da wild improvisiert«, so Wiesner, »aber auch schon angefangen, bestimmte strukturelle Grundlagen zu etablieren«. Außerdem wurden Interaktionen in kleinen Gruppen entwickelt, zum Beispiel ein Duett, bei dem Jagdish Mistrys Violine auf eine hell knatternde Tama traf.
2023 war es dann endlich so weit. Unter dem Namen »Liberation Orchestra of Inverted Traditions« gaben das Frankfurter Ensemble Modern und die senegalesische Deggo Band in der Darmstädter Centralstation ihre gefeierte Live-Premiere. »Uns machen ja solche Projekte extrem viel Spaß, bei denen man quasi bei Null anfängt und quasi wie vor einem leeren Blatt Papier sitzt«, ergänzt Dietmar Wiesner. »Das unterscheidet sich natürlich vollständig von einer genau notierten Partitur. Dann entwickelt sich der Ehrgeiz, dass da etwas richtig Spannendes entsteht. Dass etwa die Tradition auf Klangwelten trifft, die man so noch gar nicht erlebt hat.« Genau das passiert nun gleichfalls beim Kölner Gastspiel dieser deutsch-afrikanischen Soundglobetrotter – wenn man die groovebetonten Rhythmen und raffinierten Klangfarben in einen Zustand versetzt, in dem sich alles wie von selbst zu spielen scheint.
Reinhard Lemelle
Biographien
Deggo Band
Die senegalesische Deggo Band hat es sich zum Ziel gesetzt hat, senegalesische Musik international bekannt zu machen. »Deggo« bedeutet Harmonie und Zusammengehörigkeit, und enstprechend möchte die Deggo Band über ihre Musik Ideale und Werte wie Frieden, Solidarität und Gemeinschaftsgeist vermitteln. Besetzt mit einem Schlagzeuger, einem Keyboarder, einem Tama-Spieler (die Tama ist eine traditionelle Trommel) und zwei Perkussionisten, entwickelt die Deggo Band einen unverwechselbaren Klang, der tief in afrikanischen Traditionen verwurzelt ist, zugleich aber von modernen Einflüssen wie Afrobeat, Mbalax und Urban Music geprägt ist. Die Deggo Band kreiert so einen dynamischen, universellen Stil, mit dem sie auf der Bühne eine mitreißende Energie entfaltet. Durch die starke Verbindung zum Publikum macht die Deggo Band jeden ihrer Auftritte zu einem lebendigen und unvergesslichen Erlebnis.
In diesem Konzert ist die Deggo Band zum ersten Mal in der Kölner Philharmonie zu hören.
Ensemble Modern
Das Ensemble Modern gehört weltweit zu den bekanntesten, führenden Formationen für aktuelle Musik. 1980 gegründet und in Frankfurt am Main beheimatet, prägen derzeit 18 Solist:innen die Aktivitäten des basisdemokratisch organisierten Klangkörpers. Die Musiker:innen aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Indien, Japan, der Schweiz und den USA entscheiden ihre Projekte gemeinsam, ebenso Kooperationen mit weiteren Künstler:innen und sämtliche ökonomischen Fragestellungen. Das ästhetische Spektrum des Ensemble Modern umfasst musik- und tanztheatralische Genres, multimediale Formen sowie Kammermusik, Ensemble- und Orchesterkonzerte.
Das Ensemble Modern gastiert bei den renommierten Festivals wie Festival d’Aix-en-Provence, Festival d’Automne Paris, Festival d’Avignon, Berliner Festspiele, Bregenzer Festspiele, Donaueschinger Musiktage, Holland Festival, Klangspuren Schwaz, KunstFestSpiele Herrenhausen, ManiFeste Paris, November Music ’s-Hertogenbosch, Ruhrtriennale, steirischer herbst Graz, Transart Festival Bozen, Ultima Oslo, Warschauer Herbst, Wien Modern oder Wittener Tage für neue Kammermusik. Die Frankfurter Formation tritt regelmäßig in den bedeutenden nationalen und internationalen Spielstätten wie Berliner Philharmonie, Concertgebouw und Muziekgebouw Amsterdam, Konzerthaus Berlin, Hellerau Dresden, Elbphilharmonie Hamburg, Kölner Philharmonie, Wigmore Hall London, Southbank Centre London oder Cité de la Musique Paris auf.
In der Mainmetropole konzertiert das Ensemble Modern in einer eigenen Abonnementreihe der Alten Oper Frankfurt. In Kooperation mit der Oper Frankfurt realisiert es regelmäßig Musiktheaterproduktionen sowie seit 1993 die legendäre Werkstattkonzertreihe ›Happy New Ears‹, seit 2019 in einer Dreierkooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK). Gemeinsam mit dem hr-Sinfonieorchester veranstaltet das Ensemble Modern seit 2011 das Festival ›cresc… Biennale für aktuelle Musik Frankfurt Rhein Main‹.
Pro Jahr erarbeitet das Ensemble Modern zirka 70 Kompositionen neu, darunter gut 20 Uraufführungen, die es zum Teil selbst in Auftrag gibt. Die Einstudierung der Werke erfolgt zumeist in engem Kontakt mit den Komponist:innen. So sind außergewöhnliche und langjährige Partnerschaften entstanden – u.a. mit John Adams, Mark Andre, George Benjamin, Unsuk Chin, Peter Eötvös, Brian Ferneyhough, Heiner Goebbels, Hans Werner Henze, Heinz Holliger, Mauricio Kagel, György Kurtág, Helmut Lachenmann, György Ligeti, Cathy Milliken, Brigitta Muntendorf, Olga Neuwirth, Enno Poppe, Steve Reich, Wolfgang Rihm und Rebecca Saunders. Zu den Auftragskompositionen zählen auch groß besetzte Kompositionen, die für das auf Orchestergröße erweiterte Ensemble Modern Orchestra entstanden. Es wurde 1998 als weltweit erstes Orchester gegründet, das sich ausschließlich der zeitgenössischen Musik widmet.
Das Ensemble Modern führt seit 2000 mit Ensemble Modern Medien ein eigenes Label. Zahlreiche Produktionen, die oft in Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland entstehen – hr2-kultur ist Kulturpartner des Ensemble Modern –, sind so dauerhaft zugänglich. 2003 gründete das Ensemble Modern die Internationale Ensemble Modern Akademie (IEMA), in deren Rahmen es seine Ausbildungsprojekte bündelt. Anliegen ist die Vermittlung der vielfältigen zeitgenössischen Strömungen, zudem der offene, kreative Umgang mit künstlerischen Prozessen.
Das Ensemble Modern war zuletzt im Januar dieses Jahres in der Kölner Philharmonie zu Gast.
Das Ensemble Modern wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Stadt Frankfurt sowie über die Deutsche Ensemble Akademie e.V. durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur. hr2-kultur – Kulturpartner des Ensemble Modern.
Vorschau
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Redaktion
- Kulturpartner der Kölner Philharmonie

Andreas Günther, Sebastian Loelgen (verantwortlich)


