Sa 19.09.2026 | 20:00

Jazzrausch Bigband

»Euphoria«
Kölner Philharmonie
Keine Pause | Ende gegen 21:30
Die Mitglieder der Jazzrausch Bigband posieren in schwarzer Kleidung vor einem hellen Hintergrund.

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Jazzrausch Bigband

Eine bezwingende Rezeptur: Man nehme zwanzig ausgebildete Jazzmusiker:innen, stelle sie auf die Bühne eines Clubs und formuliere durchaus glaubwürdig das Postulat, hier werde gerade der Sound der Zukunft erfunden. Gegründet 2014 von Posaunist Roman Sladek, der vermutlich schon im ganz frühen Alter seine Excel-Tabellen nach BPM sortierte, und ein paar Kommiliton:innen der Münchner Musikhochschule, avancierte die Band schon ein Jahr später zur Hausband des Clubs »Harry Klein« – die erste Bigband der Welt mit Artist-in-Residence-Status in einem Elektro-Club. Man stelle sich das vor: zwanzig Musiker:innen mit Notenständern zwischen fog machine und Subwoofer, während das Publikum tanzt, als hätte es noch nie ein Blechbläserregister gesehen. Stimmt, hat es vermutlich auch nicht.

Musikalisch geschieht dabei wohl nichts Geringeres als kühne Grenzüberschreitung: Bruckner trifft Techno, Mahler trifft Vier-Viertel-Takt, Count Basie trifft Bassdrum. Klingt nach Kunstprojekt, ist aber vor allem perfekt inszeniertes Entertainment – und das soll hier überhaupt kein Vorwurf sein, denn wer schafft es schon, mit akustischen Instrumenten einen Club zum Kochen zu bringen, ohne dass jemand nach dem DJ ruft? Das Feuilleton sprach ehrfürchtig von einer »Kernfusion aus Bigband-Sound und House- und Technomusik«, man attestierte »Klanggewalt, Groove und enorme Bühnenpräsenz«. Und man ahnt: auch die Presseleute von FAZ bis SZ waren ordentlich berauscht.

Inzwischen ist aus der Kuriosennummer ein handfestes Phänomen geworden, das gut und gerne hundert Konzerte im Jahr spielt – von der hehren Stätte der Kölner Philharmonie bis zum Lincoln Center in New York, vom Safaricom Jazz Festival in Nairobi bis zum SXSW in Austin. Was einst als Kuriosum im Nachtclub galt, füllt heute seriöse Konzertsäle, in denen sonst treue Abonnenten sitzen und über die Lautstärke klagen. Die Ironie dabei: Eine Band, die als Anti-Establishment-Idee im Techno-Ambiente begann, ist selbst längst zur Institution geworden, inklusive Zehnjahresjubiläum, eigener Konzertreihe im Münchner Bergson Kunstkraftwerk und einem guten Dutzend Alben mit Titeln wie Emergenz oder Bruckner’s Breakdown (sic!).

Man kann der Jazzrausch Bigband kaum vorwerfen, dass sie ihr Crossover-Label mittlerweile so routiniert vor sich herträgt wie andere Bands ihr letztes Best-of-Album. Aber genau das ist wohl auch ihr Erfolgsrezept: Sie hat aus dem Anspruch, Genregrenzen aufzulösen, eine Erfolgsformel entwickelt, die erstaunlich zuverlässig funktioniert – Konzertsaal für Konzertsaal, Rave für Rave. Wo früher verschwitzte DJs mit USB-Sticks hantierten, um die Crowd bei Laune zu halten, steht nun ein bunter Haufen Blechbläser in der Stärke einer halben Kompanie. Wer zu ihnen tanzend aufblickt, weiß am Ende nicht immer, ob er gerade ein Jazzkonzert, eine Clubnacht oder eine sehr aufwendig instrumentierte Werbeveranstaltung erlebt. Vermutlich ist es von allem ein bisschen etwas – und genau darin liegt der eigentliche Kunstgriff.

Tom Fuchs

 

Jazzrausch Bigband live in der Kleinen Olympiahalle München 2024 mit dem Titel »I want tob e a Banana«
Eine große Menschenmenge bei einem Konzert im stimmungsvoll beleuchteten Saal der Kleinen Olympiahalle. Die Bühne ist voll beleuchtet mit warmem Licht.
Jazzrausch Bigband – On the road again!
Eine Gruppe von fünf Mitgliedern der Jazzrausch Bigband, die entspannt auf der Straße stehen. Der Schriftzug "Jazzrausch Bigband" ist über das Standbild gelegt.
Jazzrausch Talkback
Ein schlichtes, rotes Gesichtssymbol mit großen Augen über den Worten "JAZZRAUSCH TALKBACK" auf einem dunklen Hintergrund.

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